Taner Kılıç, Deniz Yücel, Meşale Tolu und ihr 2-jähriges Kind sowie allen Journalisten/Innen sofort aus türkischer Isolations- und Geiselhaft freilassen!

Gino Kuhns Gemälde zur Situation in der Türkei

Presse-, Meinungs- und Kunstfreiheit sind die tragenden Säulen eines Rechtsstaates und der Demokratie.

Statement von Gino Kuhn zur Lage in der Türkei
Berlin, 29. Juni 2017

Als ehemaliger Westberliner politisch-rehabilitierter Häftling in der ehemaligen DDR-Diktatur habe ich 2,5 Jahre am eigenen Leibe erfahren, was es bedeutet in Folter und Isolationshaft weggesperrt zu sein. Monatelang kein Kontakt zur Außenwelt und ohne Rechtsbeistand. Vernehmungen rund um die Uhr mit menschenunwürdigen Haftbedingungen. „Den Umständen entsprechend gut“.

Die Türkei betont sie sei demokratisch, verstößt aber massiv gegen die Menschenrechte und rechtsstaatliche Grundgesetze. Die türkische Justiz behauptet haltlos und vorverurteilend die inhaftierten Journalisten/Innen und Anwälte/Innen wären Mitglieder einer terroristischen Vereinigung. Zudem wirft man Ihnen Terrorpropaganda und Volksverhetzung vor. Bei dem deutsch-türkischen Journalist Deniz Yücel schreckt Recep Tayyip Erdogan auch davor nicht zurück Ihn als „deutschen Agenten“ zu bezeichnen. Nach dem Motto „Freie Meinungsäußerung ist gleich Staatsfeind“, Andersdenkende erst mal wegsperren und mundtot machen. Dies erinnert mich an den autokratischen Unrechtsstaat DDR wo man auch Grundrechte außer Kraft gesetzt hat. Ich appelliere an die türkische Regierung, die Übernahme und Kontrolle der unabhängigen Medien durch den türkischen Staat unverzüglich rückgängig zu machen. Die herrschende Willkür und echte Zensur sind sofort aufzuheben und die Rechtsstaatlichkeit – Unabhängigkeit der Justiz – Presse-, Meinungs- und Kunstfreiheit sowie die Achtung der Allgemeinen Menschenrechte sind einzuhalten. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg soll endlich tätig werden und von der Bundesregierung erhoffe ich, dass sie sich noch massiver für die Freilassung aller politischen Häftlinge und Verfechter der freien Medien und Menschenrechte in türkischer Haft einsetzt.

GINO KUHN
Künstler und Mitglied von Amnesty International

Ausschnitt von Gino Kuhns Gemälde zur Situation in der Türkei

Zur Person

Am 23. Oktober 1975 wurden Gino Kuhn und drei im Kofferraum des PKW versteckte DDR-Bürger nach Verrat am Grenzübergang Wartha-Herleshausen verhaftet. Nach der Untersuchungshaft in Cottbus und Berlin-Hohenschönhausen wurde er 1976 vom Bezirksgericht Cottbus wegen "Staatsfeindlichen Menschenhandels" zu 6 Jahren Haft verurteilt und danach in die Haftanstalt Berlin-Rummelsburg überführt. Am 1978 wurde Gino Kuhn von der Bundesrepublik freigekauft und aus der Haft entlassen. Nach der Wiedervereinigung wurde er 1992 vom Bezirksgericht Cottbus voll rehabilitiert. In Bildern und Zeichnungen, die in mehreren Ausstellungen gezeigt wurden, verarbeitet Gino Kuhn seine Hafterlebnisse. Er ist seit 2009 Mitglied beim Menschenrechtszentrum Cottbus und seit 2010 Mitglied des Fördervereins Gedenkstätte Hohenschönhausen.

Das gezeigte Gemälde schuf Gino Kuhn 1978, direkt nach der Entlassung nach zweieinhalb Jahren Haft und Folter als politischer Häftling in der DDR. Dieses Bild wurde nun aus aktuellem Anlass als Collage für die Ausstellung „IM TIGERKÄFIG DER STASI“ im Stuttgarter Landtag umgearbeitet und zeigt den türkischen Präsidenten Erdogan wie er durch die Zellentür auf Taner Kılıç, Deniz Yücel und Meşale Tolu schaut.

>> Onlinepetition zur Freilassung von Taner Kılıç und den inhaftierten Medienschaffenden in der Türkei
>> Informationen zum Menschenrechtszentrum Cottbus und dem Förderverein Gedenkstätte Hohenschönhausen


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