Folter an Raif Badawi verhindern!

+++ Nächste Protestaktion am Donnerstag, den 11. Juni, um 13 Uhr vor der saudi-arabischen Botschaft (Tiergartenstr. 33-34) in Berlin +++

Raif Badawi ist am 9. Januar öffentlich gefoltert worden. Der saudi-arabische Aktivist erhielt auf einem Platz vor der Al-Jafali-Moschee in Jeddah 50 Hiebe. Nachdem die Stockschläge mehrere Wochen ausgesetzt waren, hat das höchste saudi-arabische Gericht das drakonische Urteil gegen Raif Badawi nun bestätigt. Wir befürchten, dass bereits diesen Freitag die grausame und erniedrigende Bestrafung mit weiteren 50 Stockschlägen fortgesetzt wird.Portrait Raif Badawi (Copyright:privat)

Laut Augenzeug_innen führte man ihn nach den Freitags-gebeten in Fußfesseln aus einem Bus auf einen öffentlichen Platz vor der Moschee. Umringt von Zivilpersonen und einigen Sicherheitsbeamt_innen versetzte man ihm 50 aufeinanderfolgende Stockschläge auf den Rücken und die Beinen. Die Tortur dauerte etwa 15 Minuten. Anschließend wurde er mit dem Bus wieder abtransportiert.

Einige Tage später wurde Raif Badawi zu einer ärztlichen Untersuchung in das Gefängniskrankenhaus gebracht. Dort stellte man fest, dass seine Wunden noch nicht ausreichend verheilt waren und er somit nicht in der Verfassung ist, die nächsten 50 Stockhiebe verabreicht zu bekommen. Die Ärzte empfahlen, die Vollstreckung der Strafe zu verschieben.

 

Seit den internationalen Protesten wurde die Strafe nicht wieder vollstreckt, so auch diesen Freitag. Die Gründe dafür sind aber unklar, da zum Beispiel eine medizinische Untersuchung nicht mehr stattfand. Das höchste saudi-arabische Gericht hat das drakonische Urteil gegen Raif Badawi nun bestätigt. Dies macht es wahrscheinlich, dass die Strafe wieder vollstreckt wird.

Amnesty International befürchtet, dass Raif Badawi am Freitag die nächsten 50 Stockschläge erhalten soll. Um dies zu verhindern, rufen wir am Donnerstag, den 11. 6., um 13 Uhr zu einer erneuten Protest-Aktion vor der saudi-arabischen Botschaft (Tiergartenstr. 33-34) in Berlin auf.

Amnesty International fordert König Salman auf, alle gewaltlosen politischen Gefangenen sofort freizulassen, darunter unter anderem den Rechtsanwalt von Raif Badawi, Waleed Abu al-Khair, der wegen seiner menschenrechtlichen Aktivitäten im Juli 2014 zu einer Haftstrafe von 15 Jahren verurteilt wurde.

Unterstützen Sie unsere Online-Petition für Raif Badawi und seinen Anwalt Waleed Abu al-Khair und fordern Sie ihre sofortige Freilassung!

Weitere Informationen und Hintergründe auf amnesty.de.

Die Verschiebung der Stockschläge aus medizinischen Gründen macht nicht nur die unglaubliche Brutalität dieser Bestrafung deutlich, sondern zeigt auch auf, wie unmenschlich diese Strafe tatsächlich ist. Die Tatsache, dass Raif Badawis Wunden zunächst verheilen müssen, damit er dann in der Lage ist, diese brutale Strafe erneut über sich ergehen zu lassen, ist makaber und empörend.

Dass das höchste Gericht Saudi-Arabiens diese grausame Körperstrafe und die Haftstrafe für Raif Badawi bestätigt hat, ist ein schwarzer Tag für die Meinungsfreiheit in Saudi-Arabien. Mit der Entscheidung des höchsten Gerichts ist das Urteil endgültig und kann nicht mehr aufgehoben werden. Dies ist ein weiterer dunkler Fleck für Saudi-Arabiens Menschenrechtsreputation.
Regierungskritiker und friedliche Reformer leben in Saudi-Arabien gefährlich und zahlen oft einen hohen Preis für ihr mutiges Einstehen für Freiheit und Menschenrechte. Seit Jahren erstickt die Regierung jegliche Kritik Andersdenkender.

So bestätigte im Februar 2015 ein Berufungsgericht das Urteil gegen den Anwalt Waleed Abu al-Khair, Raif Badawis Rechtsbeistand und Schwager. Er muss für 15 Jahre ins Gefängnis, weil er im Jahr 2008 die Menschenrechtsorganisation "Monitor of Human Rights in Saudi Arabia" gründete, um Menschenrechtsverletzungen zu dokumentierten. Zudem verteidigte er zahlreiche Aktivistinnen und Aktivisten vor Gericht. Wie viele andere Gefangene ist auch Waleed Abu al-Khair in der Haft gefoltert und misshandelt worden.

Auf der ganzen Welt protestieren Amnesty-Mitglieder und andere engagierte Menschen gegen diese unmenschliche Bestrafung und fordern, dass Raif Badawi umgehend und bedingungslos freigelassen wird, da er nur deshalb inhaftiert ist, weil er von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch gemacht hat.


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